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Laufberichte
 
In loser Reihenfolge werden hier einige Berichte ereignisreicher und besonderer Läufe veröffentlicht. Bei den Läufen, die ich mit Nike+ und iPod absolviere, werde ich den Link zu den Einzelheiten mitveröffentlichen.

Silvesterlauf 2007, 31.12.2007, 15 Km, 01:24:46
 
Eigentlich sollte dieser Lauf ein Spaßlauf werden. Vor einer Woche war ich überzeugter Nichtstarter, aber je näher Silvester kam, desto größer wurde der Wunsch doch zu starten.
Ich bin seit dem MüMa keine 15 Km mehr am Stück gelaufen, war im Okt./Nov. dauererkältet und hatte im dez. Ärger mit dem Innenband. Großartig, an irgendwie gesittetes Training war nicht zu denken. Also hab ich mir selber das Ziel "ankommen, wenns geht unter 01:30" gesteckt.
Vor dem Start wurde die obligatorische LA-Fraktion begrüßt, insebesondere Thomas und Jörg mal wieder zu sehen, hat  mich gefreut. Schnell hatten wir eine 6:00/Km-Gruppe zusammen, neben Frankund mir kam noch Elke, ebenfalls aus dem LA-Forum dazu. Anfangs hatten wir alles gut im Griff und im hinteren Teil des Feldes ist es definitiv lustiger als weiter vorn. Ein Waldarbeiter in voller Montur inklusive Kettensäge (!!!) war sicherlich das Highlight in diesem Jahr.
Bis zur ersten Getränkestation war alles im grünen Bereich. Hier musste ich voll in die Eisen, weil ich auf inmal an einem Verpflegungstisch stand, was ich gar nicht wollte. Nach dem Slalom habe ich meine beiden Weggefährten weiter vorn vermutet und habe beschleunigt. Leider waren die beiden doch wohl noch hinter mir. Dann eben auf eigene Faust. Je näher ich dem Ziel kam, um so realistischer konnte ich von einer Zeit von unter 01:25 träumen, wenn ich beissen würde. Gesagt, getan. Mit einem schönen Schlußspurt konnte das auch geschafft werden: 01:24:46. Irgendwie sind Wettkämpfe mit dem Ziel locker-flockig nichts für mich, geht nicht, kann ich nicht..Das war dann ein veröhnlicher Abschluß dieser läuferisch als durchwachsen zu bezeichnenden Jahres. Das läßt für 2008 hoffen und mich optimistisch in die Zukunft blicken.
Fazit: Toll organisiert (bis auf die Rückfahrt nach werl übr die Autobahn.. Hallo?!?), Super Stimmung und viele Zuschauer bei bestem Wetter. Schön wäre es, die Verpflegungsstellen anzukündigen. Ich persönlich bin zwar der Meinung, das man bei "bis zu 2h-Läufen" nix braucht, aber will wenigsten ne Chance haben, dem Trubel zu entkommen.

MüMa 2006 (Meine M-Premiere)
 
Prolog:
 
Ein heißer Sonntag im September 2003. Ich stehe in Münster-Roxel an Km 30 des Münster-Marathon und sehe etliche Marathonis an mir vorbeilaufen. Ich selber bin nicht in der Lage auch nur 3 Km zu laufen. Am nächsten Tag verheißt der Blick auf das Display der Waage nichts Gutes. Dreistellig, und nicht nur so gerade... Gut und gern 30 Kilo zu viel, da brauch ich kein BMI oder sonst was für, das ist offensichtlich. Da auch der erste Nachwuchs ins Haus steht und unser Kind einmal mit seinem Vater toben und spielen soll, fällt die Entscheidung: Laufen, sofort! Kilos runter, sofort und quasi ein neues Leben beginnen....
 
3 Jahre später, 10.09.2006, gegen 12:24, Münster, Prinzipalmarkt
 
Ich reiße meine Arme hoch, die großen Buchstaben auf der Traverse sind kein Traum: ZIEL. Ich hab´s geschafft, bin Marathoni. Meine Gefühle fahren Achterbahn. Die  Mannschaftskameraden warten mit einem feinen Becher Erdinger auf mich, es ist genial. Ich setze mich auf eine Bank und will eigentlich nur alleine sein, was bei einigen Tausend Finishern und Zuschauern schwierig ist. Meinem Körper geht es gut, keine Krämpfe, keine Blasen, nichts... Der Nach-Marathon-Alptraum bleibt mir erspart, gottlob.
 
10.09.2006, 6:00, Havixbeck
 
Diese Nacht war der Alptraum. Mein kleine Tochter (5 Wochen) hat sich ausgerechet diese Nacht zum randalieren ausgesucht, bis 01:30 war an Schlaf nicht zu denken. Dann, endlich, kommt meine Frau nach Hause und kann mich ablösen. Ein paar Stunden unruhigen Schlafes bleiben. Beim klingeln des Weckers fühle ich mich bleiern und wie gerädert. Wenigsten ist der Bronchienstamm wieder frei. Ich war kurz davor die M-Premiere wieder zu verschieben, so wie im letzten Jahr. Das wäre der Horror. Ein Mikrowellengewärmtes Bier am Vorabend hat dann aber ganze Arbeit geleistet.
Kaffee!!! Ohne geht gar nix. Ich komme viel zu spät los, bin nervös und fahrig, das gibt´s doch gar nicht. Kurz vor Roxel vermisse ich meine Chip. Vollbremsung, Schweißausbruch.. Nachdenken. Ich finde ihn dann da, wo er sein soll. Das kann ja heiter werden....
 
Am Start treffe ich meine Mannschaft vom Luftwaffenmusikkorps und einige vom KLR, viel Zeit zum erzählen bleibt nicht, es geht los. Ich will eigentlich unter 4 Stunden bleiben, was anfänglich problemlos geht. Es läuft blendend bis zur HM-Marke. Jetzt merke ich, das das Anfangstempo zu hoch war. Aus unerklärlichen Gründen bleibe ich bei meinem Mannschaftskameraden und gehe das Tempo noch ein paar Km mit. Bis zur ersten kleinen Steigung kurz vor Roxel, da kann ich das Tempo nicht mehr gehen, will ich noch ankommen. Und vom Hammermann hab ich genug gehört, den muss ich nicht haben. In Roxel das Highlight: Meine Familie steht bei Km 30. Mein Sohn, 22 Monate alt, ruft „Papa, schneller, Marathon“ und bekommt genau wie meine Frau einen schweißfeuchten Kuss im laufen. Im Industriegebiet muss ich kurz raus, ralfen. In dem Moment muss mein Spezi Jörg vom KLR mich überholt haben, schade, ich hätt' gerne versucht dranzubleiben. Einige Minuten später kommt der 4:15 Zugläufer, an den ich mich klemme. Der ist leider zu schnell für seine Zielzeit, und so zieht er an mir vorbei. Ein unbekannter Läufer und ich bilden ein Gespann auf  Zeit, leider muss er mich dann laufen lassen. Bei Km 38 wird es langsam Gewissheit: Noch ein paar Meter, und ich bin Marathoni. Die letzen Kilometer sind ein Fest: Eine Stimmung wie im Karneval, mir läuft es heiß und kalt den Rücken runter. Das Beste: Ich kann es in vollen Zügen genießen und winke dem frenetischen Publikum zu.
Auf dem Prinzipalmarkt ist es geschafft. Medaille, Finisher-Shirt und Massage nehme ich dankbar entgegen.
Mein Traum vom Marathon ist wahr geworden. Es wird nicht mein letzter gewesen sein, das ist sicher. Ich habe mein Leben komplett umgekrempelt und finde das gut so.


 
 
 

 

Laufen in Havixbeck
Christian(at)laufen-in-havixbeck.de